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Martin Rohloff / Joachim Kothe

25 Jahre Historische Kleinbahn ”Jan Harpstedt“ im
Naturpark Wildeshauser Geest

Die Delmenhorst – Harpstedter Eisenbahnfreunde e. V. feiern Jubiläum

Am Sonntag, 2. September 2001 begehen die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde mit einem großen Bahnhofsfest in Harpstedt ihr 25jähriges Vereinsjubiläum.

Dabei sollen auf der Kleinbahnstrecke Delmenhorst - Harpstedt neben der Dampflokomotive 24009 auch verschiedene historische Dieselloks und Triebwagen zum Einsatz kommen.

Von Norden (Ostfriesland) und Leeste aus werden Sonderzüge befreundeter Eisenbahnvereine nach Harpstedt eingesetzt.

Weitere Programmpunkte sind:

Fahrzeugausstellung + Historische Landmaschinenausstellung + Oldtimer der Straße + Führerstandsmitfahrten und Handhebeldraisinenfahrten + Güterzug mit Personenbeförderung + Zubringerverkehr mit Museumsstraßenbahn und Bus zwischen der Bremer Innenstadt und Groß Mackenstedt + Ausstellung + Kinderaktivitäten.

Am 2. September gibt es entlang der Kleinbahnstrecke noch viele weitere Gründe zu feiern: In Harpstedt wird der ”Harpstedt-Tag" begangen, in Hasbergen steigt einer der größten Hökermärkte der Gegend. Damit man alle Veranstaltungen ohne Parkplatznot in gemütlichem Tempo erreichen kann, verbindet Jan Harpstedt in dichtem Takt nach einem Sonderfahrplan die Veranstaltungsorte. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.jan-harpstedt.de.

Die Anfänge

Der Trägerverein der Historischen Kleinbahn ”Jan Harpstedt“, die Delmenhorst – Harpstedter Eisenbahnfreunde e. V. (DHEF), wurde am 20. Februar 1976 in der Bahnhofsgaststätte Delmenhorst-Annenheide von 16 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Ziel des Vereins war es von Anfang an, historische Eisenbahnfahrzeuge betriebsfähig zu erhalten.

Museumspolitisch verfolgt der Verein dabei seit Jahren das Ziel, eine Kleinbahn zu bewahren, wie sie für den ländlichen Bereich Norddeutschlands Ende der 50er bzw. Anfang der 60er Jahre typisch war. Soweit möglich wurde die Entwicklung des Fahrzeugparks in den letzten Jahren diesem Konzept angepasst. Auch der Erhalt der charakteristischen Gebäude und Anlagen wird im Auge behalten. Aufgrund der finanziellen Situation und der Eigentumsverhältnisse - die Strecke gehört der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE) und befindet sich glücklicherweise immer noch im regulären Betrieb - ist die Umsetzung aber nicht einfach.

Besonderer Wert wird auf den Erhalt der noch existierenden historischen Fahrzeuge der DHE gelegt, was dem Verein mit den Diesellokomotiven 6 (ex V 273), V 222, den Draisinen Klv 202 und Klv 316 431, dem Packwagen 910 und zwei Bahnmeisterwagen auch gelungen ist. Zudem wird der im Eigentum der DHE befindliche Triebwagen T 121 durch zahlreiche Museumseinsätze gesichert.

Im Januar 1977 nahm der Verein die Arbeit auf und trat mit dem Kauf der ausgedienten Dampfspeicherlok ”Bello" (Henschel 1913/12469, Bfl) der Vereinigten Kammgarnspinnerei AG(VKS) zum ersten Mal an die Öffentlichkeit.

Die ”Bello", als letzte Delmenhorster Dampflok, wurde auf dem Gleisanschluss zum Bauhof am Hasporter Damm aufgestellt und äußerlich aufgearbeitet. Da eine betriebsfähige Restaurierung nicht möglich war, erfolgte 1981 der Verkauf der Lok. Heute befindet sie sich an ihrer alten Wirkungsstätte im Freigelände des Fabrikmuseums auf dem früheren Nordwollegelände.

Aufnahme des Fahrbetriebs

Erste Sonderfahrten wurden 1978 mit dem bei der Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn (DHE) als Reservefahrzeug vorhandenen Triebwagen T 121 durchgeführt. Damit begann die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit der DHEF mit der DHE, die bis heute fortgesetzt werden konnte. Die DHE unterhält die 22 Kilometer lange Strecke von Delmenhorst nach Harpstedt für den eigenen Güterverkehr und unterstützt dabei auch den Museumsbahnbetrieb nach Kräften. In den letzten Jahren konnte ein Großteil der Strecke grundsaniert werden, so dass einer weiteren Nutzung in der Zukunft nichts im Wege steht.

Da der Zuspruch der Bevölkerung vielversprechend war, verkehrt die Historische Kleinbahn ”Jan Harpstedt“, wie der Fahrbetrieb bezeichnet wird, seit 1979 nach einem festen veröffentlichten Fahrplan. Die ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit durchgeführten Fahrten schließen damit an eine Tradition der 30er Jahre an, als auf der Kleinbahnstrecke sonntags starker Ausflugsverkehr herrschte und sogar durchgehende Züge von Bremen Hauptbahnhof in die Ausflugsgebiete Heiligenrode, Dünsen und Harpstedt verkehrten.

Aufgrund des regen Zuspruchs der Bevölkerung musste der T 121 schon bald durch von der Deutschen Bundesbahn geliehene Vorkriegseilzugwagen oder Mitteleinstiegswagen verstärkt werden. Da diese auf Dauer aber nicht zur Verfügung standen, erwarb man 1980 den Gepäckwagen 92 der Eisenbahn Bremen – Thedinghausen. Es war das erste für einen Betriebseinsatz vorgesehene Fahrzeug, das im folgenden Jahr nach erfolgter Aufarbeitung unter der neuen Bezeichnung Wagen 2 in Betrieb genommen werden konnte.

1981 folgten dann von der bayerischen Regentalbahn zwei leichte, ursprünglich für die Reichsbahn gebaute Triebwagenbeiwagen, die aufgearbeitet 1982 bzw. 1983 in Fahrt kamen.

Endlich: Es dampft!

Da sich die Fahrten mit der Dampflok 4 der befreundeten Museum Buurt Spoorwegen im Jahr 1987 anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der DHE großer Beliebtheit erfreuten, versuchte der Verein in den Folgejahren eine eigene Dampflok zu erwerben, um einen regelmäßigen Dampfzugbetrieb auf der DHE einzurichten. Bereits von 1978 bis 1980 befand sich eine von den Saarbergwerken stammende Dampflokomotive (Hohenzollern 1925/4531, Dn2t) im Fahrzeugbestand, die dann aber, ohne Harpstedt je erreicht zu haben, an den Verein Braunschweiger Verkehrsfreunde verkauft wurde, da man erkannt hatte, dass der damals noch junge Verein mit Aufarbeitung und Unterhaltung überfordert gewesen wäre.

1990 gelang dann der Kauf einer dreiachsigen Dampflok, die zuvor in Sehnde (bei Hannover) und Nienburg im Einsatz war. Im Frühjahr 1992 waren dann die umfangreichen Reparaturen am Kessel beendet und die Lok konnte in Betrieb genommen werden.

Da an der planmäßig eingesetzten Lok 1 im Jahre 2001 umfangreiche Instandsetzungsarbeiten zu erwarten waren, wurde 1999 eine zweite für den Museumsbetrieb vorgesehene Dampflok (Lok 2) erworben. Die Aufarbeitung der 1955 bei Krupp gebauten Lok der Bauart ”Hannibal“ schreitet zügig voran und die Lok soll noch 2001 in Betrieb gehen. Sie wird dann die Lok 1 als Betriebslok ablösen und damit auch in Zukunft einen attraktiven Dampfbetrieb der Museumseisenbahn sicherstellen.

Die Strecke

Die Museumsbahn bietet eine idealen Zugang zum waldreichen Gebiet um Harpstedt (www.harpstedt.de) und Dünsen, das Teil des ”Naturpark Wildeshauser Geest“ (www.wildeshauser-geest.de) ist. Reizvolle Ausflugsziele sind hier die funktionsfähige Windmühle und der historische Amtshof in Harpstedt oder Heiligenrode mit seinen gepflegten Speiserestaurants und seinem reizvollen Ortskern am Klosterbach und der Wassermühle. In Delmenhorst (www.delmenhorst.de) erwartet die Gäste beispielsweise das Stadtmuseum und das Fabrikmuseum auf dem Nordwolle-Gelände (http://nordwolle.de). An heißen Tagen bieten das Freizeitbad ”Delfina“ in Delmenhorst, der Steller See oder das Rosenfreibad in Harpstedt Abkühlung.

”Ausflüge“

Außer auf der Heimatstrecke kommen die Vereinsfahrzeuge immer wieder auch auf anderen Strecken zum Einsatz. Tagesfahrten führten den Triebwagenzug beispielsweise 1984 nach Nordenham, 1985 nach Wittingen und Bruchhausen-Vilsen, 1986 nach Harsefeld, 1987 nach Emden Außenhafen und 1999 nach Friesoythe.

Auch der Dampfzug ist schon fernab seiner Heimatgleise unterwegs gewesen: Sondereinsätze erfolgten 1994 auf der Farge – Vegesacker Eisenbahn, 1998 zur Rhododendronausstellung ”Rhodo ´98“ nach Westerstede und zur Kleinbahn Lohne – Dinklage, 1999 und 2000 zur Küstenbahn Ostfriesland Norden – Dornum und zum Jubiläum der Bremen – Thedinghauser Eisenbahn 2000.

Die Lemwerderbahn

Um einen Beitrag zum Erhalt der Strecke zu leisten wurde 1995 planmäßiger Betrieb auf der Strecke von Delmenhorst nach Lemwerder angeboten. Die sehr erfolgreichen Fahrten mussten jedoch wegen einer von der DB angeordneten Streckensperrung im selben Jahr wieder eingestellt werden. Auch wurden 1995 die Dampfzüge von Harpstedt bis Hasbergen durchgeführt. Diese Verlängerung wurde zum Jahresende ebenso wieder zurückgenommen. Erst nach der Übernahme der Strecke durch die Stadt Delmenhorst und die Gemeinde Lemwerder konnten im Herbst 2000 nach erfolgter Streckensanierung erneut Sonderfahrten durchgeführt werden.

Seit Mai 2001 sind die Museumszüge nun auch auf dieser Strecke wieder fahrplanmäßig unterwegs.

Die Zukunft

Heute hat der Verein Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahnfreunde e.V. etwa 170 Mitglieder, von denen ungefähr 20 aktiv in der Durchführung des Fahrbetriebes, der Fahrzeugrestaurierung und -unterhaltung und der Verwaltung ehrenamtlich tätig sind. Der Fahrzeugbestand besteht im Jubiläumsjahr aus zwei Dampf- und drei Diesellokomotiven, einem Trieb-, 10 Personen-, drei Pack- und sechs Güterwagen sowie 7 Draisinen bzw. Nebenfahrzeugen.

Einen wichtiger Schritt zum langfristigen Erhalt der Museumsfahrzeuge stellt der 1989 vollendete Bau einer 55 m langen zweigleisigen Fahrzeughalle auf dem Harpstedter Bahnhofsgelände dar. Sie bietet nicht nur acht Fahrzeugen Schutz, sondern erlaubt auch weitgehend witterungsunabhängig Restaurierungsarbeiten.

Die Finanzierung des Baus erfolgte unter anderem durch Unterstützung aus dem Fonds der gemeinsamen Landesplanung Bremen/Niedersachsen. Durch einen Anbau konnten die Arbeitsbedingungen für die aktiven Mitglieder im Werkstattbetrieb im Jahre 2000 verbessert werden.

Das Ziel, auch die Gleisanlagen und bahntypischen Gebäude (Güterschuppen, Viehverladeanlagen) zu erhalten, die sich vor einigen Jahren noch weitgehend im Zustand der 50er Jahre befanden, konnte bisher nicht erreicht werden. Hier wird in den nächsten Jahren viel Arbeit anstehen, um die noch vorhandene Substanz zu sichern. Auf dem Weg dahin wurde der zum Teil noch aus der Gründerzeit stammende Aktenbestand der Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn übernommen und in einem im Aufbau befindlichen Archiv gepflegt und ausgewertet. Die Ergebnisse sind in ein neues Buch zur Geschichte der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn eingeflossen, das gerade rechtzeitig zum Jubiläum erschienen ist.

Seit seiner Gründung im Jahr 1993 gehören die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde dem VDMT an. Erstmals sind sie im Herbst 2001 Ausrichter einer Museumsbahntagung.

Internet: www.jan-harpstedt.de
E-Mail: info@dhef.de
Telefon: 04244-2380
Anschrift: Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde e.V., Postfach 1236, 27732 Delmenhorst